Kooperationsveranstaltung der GSP-Sektion Rendsburg und des Arbeitskreises Reserveoffiziere Schlei-Förde im Hotel ConventGarten Rendsburg – mit Brigadegeneral a.D. Reiner Schwalb
1. Ein Raum, der größer war als die Zahl der Stühle
Es gibt Abende, die nicht einfach stattfinden. Sie wirken. Sie setzen sich fest – in Gedanken und Gesprächen. Ein solcher Abend fand vergangene Woche im Rendsburger Hotel ConventGarten statt, zu dem die GSP-Sektion Rendsburg gemeinsam mit dem Arbeitskreis Reserveoffiziere Schlei-Förde zu einem hochaktuellen Vortrag eingeladen hatte. Der Titel ließ schon im Vorfeld erahnen, wie ernst die Lage und wie groß die Bedeutung des Abends sein würde:
„Krieg gegen die Ukraine und Kriegsvorbereitung gegen die NATO?“
Schnell wurde klar: Dies war keine jener Veranstaltungen, bei denen man beiläufig Wissen mitnimmt und den Rest des Tages unverändert weiterlebt. Der Saal füllte sich früh, dicht und mit einer spürbaren Mischung aus Erwartung, Ernsthaftigkeit und Verantwortungsbewusstsein.
Die Gäste, viele mit direktem sicherheitspolitischen Bezug – ob aus Militär, Verwaltung, politischem Umfeld oder Ehrenamt – kamen nicht nur, um zuzuhören. Sie kamen, weil sie verstanden haben:
Sicherheitspolitik ist im Norden keine Theorie. Sie ist gelebte Realität.
Und genau dieser Geist prägte den gesamten Abend.
2. Brigadegeneral a.D. Reiner Schwalb – ein Vortrag voller Klarheit, Tiefenschärfe und unbequemer Wahrheiten
Wenn Brigadegeneral a.D. Reiner Schwalb spricht, entsteht kein Nebel. Er erläutert nicht einfach – er ordnet ein. Und er tut es mit der präzisen Ruhe eines Mannes, der jahrelang mitten im Spannungsfeld zwischen militärischer Analyse und diplomatischem Auftrag gearbeitet hat.
Als ehemaliger Militärattaché an der Deutschen Botschaft in Moskau gehört er zu den wenigen Experten, die Russlands strategisches Denken nicht nur kennen, sondern verstehen.
In seinem Vortrag zeigte er unter anderem:
- Dass der Angriff auf die Ukraine kein isolierter Konflikt ist, sondern in ein langfristiges, machtpolitisches Ringen eingebettet ist.
- Dass Russland nicht spontan, sondern systematisch handelt – militärisch wie hybrid.
- Dass die NATO und Europa sich mitten in einer Phase der strategischen Neuvermessung befinden.
- Und dass sicherheitspolitische Naivität heute ein Luxus wäre, den sich kein Staat leisten kann.
Schwalb ließ die Zuhörer weder in Alarmismus versinken noch in Bequemlichkeit abgleiten. Er analysierte präzise, historisch fundiert und nüchtern, verband dies mit persönlichen Erfahrungen – und schaffte genau deshalb eine Klarheit, die tief wirkte.
Man merkte im Raum, wie seine Worte trafen: nicht laut, sondern nachhaltig. Wie sie Einschätzungen veränderten, Gedanken schärften, Prioritäten verschoben.
Es war ein Vortrag, der nicht nur erklärt, sondern weckt.
3. Zwischen Anspannung und Zuversicht – die Stimmung im Saal
Der Saal war fast greifbar gespannt – nicht aus Furcht, sondern aus echtem, ernsthaftem Interesse. Viele Zuhörer nickten, manche schrieben mit, andere blickten zwischenzeitlich gedankenverloren auf ihren Tisch, als müssten sie die Tragweite des Gehörten erst sortieren. Was Schwalb vermittelte, war genau das, was unsere Zeit braucht:
Realismus ohne Resignation.
Wachheit ohne Panik.
Klarheit ohne Schwarz-Weiß-Denken.
Die Reaktionen im Saal zeigten, wie groß der Bedarf an fundierter sicherheitspolitischer Einordnung ist – gerade jetzt, in einer Phase globaler Unsicherheit, in der Überforderung oft lauter ist als Orientierung.
4. Die Debatte: Pflicht, nicht Kür
Nach dem Vortrag entwickelte sich eine lebhafte Diskussion, die schnell deutlich machte, dass dieser Abend weit mehr war als eine reine Vortragsveranstaltung.
Offiziere, Reservisten, Mitglieder der GSP, Menschen aus Verwaltung und Wirtschaft – sie alle beteiligten sich.
Es ging um:
- die militärischen Fähigkeiten und politischen Absichten Russlands,
- Chinas Rolle im Hintergrund,
- die Zukunft der Ostflanke der NATO,
- die Schwachstellen europäischer Verteidigungsstrukturen,
- und die Frage, ob Deutschland seine sicherheitspolitischen Hausaufgaben wirklich ernsthaft anpackt.
Die Diskussion war sachlich, aber offen. Kritisch, aber fair. Hart in der Sache, aber getragen von Verantwortungsbewusstsein.
Es war die Art von Debatte, die eine Demokratie braucht – oft aber nicht mehr selbstverständlich ist.
5. Ein Moment der Würdigung – und der Dankbarkeit
Nach der Diskussion wurde der Abend feierlich – und emotional. Der Landesbereich I der GSP ehrte zwei Persönlichkeiten, die sich seit Jahren um sicherheitspolitische Bildung und Vernetzung im Norden verdient gemacht haben.

Für Frank Porsch, meinen stellvertretenden Landesbereichsleiter, und für mich als Landesbereichsleiter war es eine besondere Freude und Ehre, diese Auszeichnungen persönlich überreichen zu dürfen. Wir waren gern im Vorfeld des Internationalen Tages des Ehrenamtes aus Schwerin und Hamburg angereist, um die Bedeutung dieser Leistungen sichtbar zu würdigen und zu zeigen, dass Engagement nie selbstverständlich ist – aber immer wertvoll.
Verleihung der Likedeeler-Medaille an Brigadegeneral a.D. Reiner Schwalb
Die Likedeeler-Medaille, zweithöchste Auszeichnung des Landesbereiches, wird an Menschen verliehen, die Sicherheitspolitik nicht nur vertreten, sondern tragen und ein erhebliches Engagement bewiesen haben.

Reiner Schwalb hat dies über Jahre hinweg getan – in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein. Er hat Brücken gebaut, Wissen weitergegeben und Verständnis geschaffen.
Als ihm die Medaille überreicht wurde, war der Applaus nicht einfach höflich. Er war echt. Er war dankbar. Er war verdient.
Ehrung für Oberst a.D. Harry Preetz – Likedeeler-Taler
Die höchste Auszeichnung des Landesbereichs I, der Likedeeler-Taler, wurde an Oberst a.D. Harry Preetz verliehen.

Preetz hat die sicherheitspolitische Bildungsarbeit im Norden über Jahrzehnte geprägt. Als Sektionsleiter Rendsburg und späterer zusätzlich Landesbereichsleiter hat er unermüdlich dafür gesorgt, dass sicherheitspolitische Themen vermittelt, diskutiert und verstanden werden.
Sein Einsatz hat Spuren hinterlassen – gute Spuren, Spuren, die tragen.
Die Verleihung des Likedeeler-Talers war ein Moment großer, im Raum deutlich spürbarer Anerkennung – und eine Verneigung vor jahrzehntelangem Engagement.
6. Warum dieser Abend bleibt
Wenn ein Abend weiterwirkt als seine Dauer, dann wurde etwas richtig gemacht.
Dieser Abend in Rendsburg tat genau das.
Er zeigte:
- dass Menschen Verantwortung übernehmen,
- dass sicherheitspolitische Bildung lebt,
- dass Ehrenamt wirkt,
- und dass Gemeinschaft stärker ist als Unsicherheit.
Er zeigte auch, dass der Norden bereit ist, die Herausforderungen unserer Zeit anzunehmen – ernsthaft, engagiert und gemeinsam.
Sicherheit ist kein Zustand.
Sicherheit ist eine Aufgabe.
Dieser Abend machte deutlich, dass es viele gibt, die bereitstehen, diese Aufgabe zu tragen.
7. Ausblick – und ein leiser Auftrag
Niemand verließ den Saal nicht mit flackernder Angst, sondern mit gefestigter Klarheit, nicht mit Sorge, sondern mit dem Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein, die Haltung zeigt.
Die Welt verändert sich – und mit ihr unsere Verantwortung. Der Abend in Rendsburg erinnerte daran, wie wichtig es ist, informiert zu sein, verbunden zu bleiben und Verantwortung nicht weiterzureichen, sondern anzunehmen.
Die Botschaft ist einfach – und zugleich gewaltig:
Wir sind nicht ohnmächtig.
Wir sind nicht allein.
Wir sind – gemeinsam – stark genug.
Wenn auch Sie sich informieren oder engagieren möchten, stoßen Sie gern in der Ihnen am nächsten liegenden unserer elf Sektion zu uns.


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