Die Tagung der Obersten d.R. der Luftwaffe

Es gibt Veranstaltungen, die mehr sind als ausschließlich ein Termin im persönlichen Kalender. Sie sind Orte der Begegnung, des offenen Gedankenaustauschs und der gemeinsamen Begeisterung für eine Aufgabe, die uns verbindet. Die Tagung der Obersten der Reserve der Luftwaffe war für mich solch eine Gelegenheit.

Es gibt etwas, das mich an der Bundeswehr seit vielen Jahren begeistert. Es sind die Menschen, die aus ganz unterschiedlichen Lebenswelten kommen und dennoch die gemeinsame Überzeugung teilen, dass es sich lohnt, für unsere Sicherheit, unsere Gesellschaft und unser Land Verantwortung zu übernehmen. Umso mehr habe ich mich gefreut, an der Tagung der Obersten der Reserve der Luftwaffe teilzunehmen. Ein Zusammentreffen erfahrener Kameraden, unterschiedlicher Perspektiven und einer bemerkenswerten Vielfalt an beruflichen und militärischen Lebenswegen. Vor allem aber für viele eine Gelegenheit, alte Kontakte aufzufrischen, oder für mich, neue Bekanntschaften zu schließen und gemeinsam über die Zukunft unserer Luftwaffe und ihrer Reserve nachzudenken.

Kameradschaft, die verbindet

Was solche Zusammenkünfte für mich wertvoll macht, lässt sich nicht allein an Tagesordnungspunkten, Einweisungen oder Vorträgen festmachen. Es sind die Gespräche dazwischen, das Treffen auf Kameraden, denen man über Jahre an ganz unterschiedlichen Stellen begegnet ist oder an denen man erstaunlicher Weise über Jahre permanent dranvorbeigeschrammt ist, ohne sich über den Weg zu laufen, obwohl die Stationen der letzten zehn Jahre beinahe deckungsgleich waren. Das spontane Lachen über gemeinsame oder gleich erlebte Erlebnisse. Und die Freude darüber, dass man dennoch eine gemeinsame Sprache findet.

Dabei beeindruckt mich immer wieder, welche Erfahrungen und Kompetenzen unsere Reserve vereint. Unternehmer, Führungskräfte, Wissenschaftler, Spezialisten und Menschen aus den unterschiedlichsten Bereichen unserer Gesellschaft bringen ihre Fähigkeiten und ihre Perspektiven in die Bundeswehr ein. Sie tun dies nicht, weil sie müssen, sondern weil sie es wollen. Gerade diese Mischung macht unsere Reserve so wertvoll. Sie verbindet militärische Erfahrung mit ziviler Innovationskraft, unterschiedliche Denkweisen mit einer gemeinsamen Grundeinstellung und Überzeugung sowie persönliche Lebenswege mit dem Willen, etwas für unser Land zu leisten.

Eine starke Luftwaffe braucht eine starke Reserve

Natürlich geht es bei einer solchen Tagung in erster Linie um ernste Fragen. Unsere sicherheitspolitische Lage verlangt viel von der Bundeswehr. Die Anforderungen an Einsatzbereitschaft, technologische Fähigkeiten und personelle Durchhaltefähigkeit wachsen. Gerade die Luftwaffe steht dabei vor gewaltigen Herausforderungen. Doch bei aller Ernsthaftigkeit der Lage empfinde ich solche Zusammenkünfte vor allem als ermutigend. Denn hier begegnen sich Menschen, die nicht nur Probleme beschreiben, sondern bereit sind, an Lösungen mitzuwirken. Gleichzeitig bieten Sie die Möglichkeit Neues kennenzulernen. In diesem Jahr hatten wir zum Beispiel die Möglichkeit das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) zu besuchen und so einen kleinen Einblick in den Bereich zu bekommen, der den meisten Menschen wohl verwehrt bleibt: Das Weltall. Ob es die Sojus-Kapsel, verschiedene Trainingseinrichtungen oder ein Stück Mondgestein war, der Besuch beim DLR hat sich gelohnt.

Für mich steht fest, die Reserve ist mehr als eine personelle Ergänzung der aktiven Truppe. Sie ist ein eigenständiger Kompetenzträger, ein Bindeglied zwischen Bundeswehr und Gesellschaft und eine enorme Chance für die Weiterentwicklung unserer Streitkräfte. Damit dieses Potenzial seine volle Wirkung entfalten kann, müssen wir die Fähigkeiten unserer Reservistinnen und Reservisten noch konsequenter erkennen, fördern und einsetzen. Wir müssen ihre zivile Expertise als Bereicherung verstehen und Rahmenbedingungen schaffen, die militärisches Engagement mit Beruf und Familie vereinbar machen. Und wir dürfen nicht zulassen, dass kleinliche Denkweisen die Verbindung zwischen aktiver Truppe und Reserve vergiften. Denn wer Menschen dauerhaft für die Reserve gewinnen möchte, muss nicht nur ihre Bereitschaft und ihren Beitrag zum Dienst schätzen, sondern auch ihre Lebenswirklichkeit respektieren.

Mit Begeisterung, Zuversicht und neuen Impulsen nach Hause

Was nehme ich persönlich von dieser Tagung mit? Vor allem Freude und Zuversicht. Freude über die vielen guten Begegnungen, über gelebte Kameradschaft und die Erkenntnis, Teil einer Gemeinschaft zu sein, in der Erfahrung, Kompetenz und Engagement zusammenkommen. Zuversicht, weil es so viele Menschen gibt, die mit Überzeugung und Tatkraft bereit sind, die Zukunft unserer Luftwaffe mitzugestalten.

Ich bin dankbar für die Möglichkeit, an diesem Austausch teilgenommen zu haben. Solche Veranstaltungen zeigen mir immer wieder, weshalb ich mich auch nach vielen Jahren und tausenden von Wehrübungstagen noch immer mit Begeisterung als Reservist engagiere. Mein herzlicher Dank gilt allen, die diese Tagung organisiert, gestaltet und mit Leben gefüllt haben. Ebenso danke ich meinen Kameraden für die offenen Gespräche, die interessanten Perspektiven und nicht zuletzt für die vielen fröhlichen Momente.

Schlussgedanke

Eine starke Reserve entsteht nicht allein durch Strukturen, Dienstposten oder Konzepte. Sie lebt von Menschen, die füreinander einstehen, voneinander lernen und gemeinsam Verantwortung tragen. Wenn dabei auch noch Freude, Humor und echte Kameradschaft ihren Platz haben, ist das ein ausgesprochen gutes Zeichen.

Ich freue mich schon jetzt auf das nächste Wiedersehen!



Nils Wolk · Wo Entscheiden Folgen hat.

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