Sicherheitspolitische Klarheit beim Grünkohlessen

Finnischer Verteidigungsattaché spricht in Ohlstedt – GSP zeichnet Oberst a.D. Axel Schneider aus

Tradition und sicherheitspolitische Analyse trafen am 27. November 2025 im Landhaus Ohlstedt aufeinander: Die Hamburger Sektion der Gesellschaft für Sicherheitspolitik e.V. (GSP / https://www.gsp-sipo.de) hatte zum jährlichen Grünkohlessen eingeladen – eine Veranstaltung, die seit Jahren Vertreter aus Bundeswehr, Blaulichtorganisationen, Verwaltung, Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft anzieht. In diesem Jahr stand der Abend besonders im Zeichen der europäischen Sicherheitsordnung und der Frage, wie Staaten auf neue Bedrohungsformen reagieren können.

Ein Blick nach Norden: Finnland im Fokus

Hauptredner des Abends war der finnische Verteidigungsattaché, Kapitän zur See Juhapekka Rautava, der über das finnische Verteidigungssystem und die Abwehr hybrider Bedrohungen sprach. Seine Ausführungen fanden große Aufmerksamkeit, nicht zuletzt wegen ihrer bildhaften und eindringlichen Darstellung.

Der Attaché zeichnete ein detailliertes Bild der finnischen Streitkräfte im Frieden und im möglichen Verteidigungsfall – mit einer Klarheit, die die Anwesenden unmittelbar erreichte. Finnland, so machte er deutlich, sei aufgrund seiner geografischen Lage und historischen Erfahrungen seit Jahrzehnten gezwungen, Bedrohungen frühzeitig zu erkennen und umfassend vorzubereiten. Das Land verfolge daher einen konsequenten „Whole-of-Society“-Ansatz, in dem Militär, Verwaltung, Wirtschaft und Bevölkerung eng miteinander verzahnt sind.

Russlands Angriffskrieg als Wendepunkt

Besondere Aufmerksamkeit erzeugte sein Rückblick auf das Jahr 2022. Der russische Angriff auf die Ukraine habe nicht nur die europäische Sicherheitsarchitektur erschüttert, sondern auch in Finnland zu einer strategischen Zeitenwende geführt.

„Was viele Jahre unmöglich schien, wurde plötzlich zur Notwendigkeit“, sagte der Attaché und verwies auf die sprunghaft gestiegene Zustimmung in der finnischen Bevölkerung zum NATO-Beitritt. Innerhalb weniger Tage wandelte sich Skepsis in breite Unterstützung. Der Beitritt Finnlands zur NATO sei daher nicht das Ergebnis politischer Willkür, sondern einer gesellschaftlich getragenen Entscheidung.

Hybride Bedrohungen: Die neuen Frontlinien

Einen weiteren Schwerpunkt legte der Referent auf die Beschreibung hybrider Bedrohungen, denen europäische Staaten zunehmend ausgesetzt sind. Dazu zählte er unter anderem die Aktivitäten der sogenannten „Schattenflotte“, die Instrumentalisierung von Migration sowie Angriffe auf Kommunikations- und Energieinfrastrukturen. Solche verdeckten Operationen seien darauf ausgelegt, demokratische Staaten politisch unter Druck zu setzen und nicht offen, sondern schleichend zu destabilisieren und so zu schwächen. Der Attaché betonte, dass Resilienz, Frühwarnfähigkeit und gesellschaftlicher Zusammenhalt entscheidende Faktoren seien, um solchen Bedrohungen wirksam zu begegnen.

Ehrung für langjähriges Engagement

Ein besonderer Moment des Abends war die Verleihung der Likedeeler-Medaille an Oberst a.D. Axel Schneider, früherer Kommandeur des Landeskommandos Schleswig-Holstein und langjähriger Unterstützer der sicherheitspolitischen Bildungsarbeit im Norden. Der Saseler wurde vom Landesbereich der GSP für sein herausragendes Engagement ausgezeichnet.

Schneider habe – so die Laudatio – über viele Jahre hinweg dazu beigetragen, sicherheitspolitische Themen in Norddeutschland sichtbar zu machen und den Dialog zwischen Bundeswehr und Gesellschaft weiterzuentwickeln. Schneider bestach stets durch Verlässlichkeit, fachliche Expertise und einen besonderen Beitrag zur sicherheitspolitischen Vernetzung in der Region. Unter den Anwesenden fand die Auszeichnung breite Zustimmung.

Tradition trifft sicherheitspolitische Verantwortung

Das Grünkohlessen im Landhaus Ohlstedt zeigte einmal mehr, wie lebendig sicherheitspolitischer Diskurs in Hamburg ist. Zwischen festlichen Speisen, klirrenden Gläsern und angeregten Gesprächen über globale Entwicklungen und lokale Herausforderungen entstand ein Austausch, der die Bedeutung ehrenamtlicher sicherheitspolitischer Bildungsarbeit deutlich machte.

Die Hamburger Sektion betonte, dass Veranstaltungen wie diese wichtiger denn je seien. Angesichts globaler Krisen und neuer Bedrohungsformen brauche es Orte, an denen Analyse, Erfahrung, politischer Weitblick und bürgerschaftliches Engagement zusammenkommen.

Der Abend endete mit langem Applaus für den Referenten und den Geehrten – und mit dem Gefühl, dass sicherheitspolitische Verantwortung nicht in Konferenzsälen beginnt, sondern mitten in der Gesellschaft.