Es gibt Termine, die man nicht einfach „wahrnimmt“. Man geht zu ihnen, weil man etwas beitragen möchte – im verlässlich und ohne großen Anspruch an Sichtbarkeit. Meine Teilnahme am gemeinsamen Parlamentarischen Abend von DWT und GSP mit Bundesminister Dr. Johann Wadephul in der Vertretung des Landes Niedersachsen, war genau ein solcher Moment. Nicht Teil eines beruflichen Programms, nicht Ergebnis einer offiziellen Verpflichtung, sondern Interesse an Themen, die unser Land bewegen. Wer andere dabei unterstützen möchte, sich weiterzubilden, muss dies auch selber tun.
Ehrenamt bedeutet oft zusätzliche Wege, die man abends noch antritt, wenn andere längst den Tag hinter sich lassen. Gespräche führen in der Hoffnung, dass ein solcher Austausch Wirkung entfaltet und zuhören – nicht, um zu antworten, sondern um zu verstehen. Solche Abende zeigen, wie nah Politik und Gesellschaft einander eigentlich kommen können, wenn Menschen bereit sind, Zeit zu investieren.
Was bleibt nach solchen Begegnungen? Manchmal eine neue Perspektive, manchmal ein Impuls, der nachhallt. Und manchmal eine simple Frage:
Welche Verantwortung bin ich eigentlich bereit zu tragen – und wie weit werde ich dafür gehen?
Einmal eben nach Berlin
Berlin liegt nicht eben „um die Ecke“. Wer abends dorthin fährt, tut es nicht aus Bequemlichkeit. Man tut es, weil es manchmal Präsenz braucht. Weil man versteht, dass Engagement nicht am Schreibtisch lebt, sondern dort, wo Menschen miteinander sprechen, sich zuhören und Positionen, gerne auch mal gegensätzliche, austauschen. Ich unternehme solche Fahrten oft und bewusst. Es ist meine Freizeit. Aber solche Begegnungen sind mir wichtig. Nicht, um mich zu zeigen, sondern um das Thema Sicherheitspolitik sichtbarer zu machen.
Hier kommen Menschen aus Politik, Verwaltung, Organisationen und Unternehmen sowie zivilgesellschaftlichem Engagement zusammen, tauschen sich aus, teilen Eindrücke, manchmal auch Sorgen und manchmal streiten sie auch.
Gewiss gibt es auch immer Menschen, die solche Abende nur nutzen, um gesehen zu werden und sich ins Rampenlicht zu schieben. Sollen sie machen. Dadurch wird sie niemand mehr schätzen. Engagement beginnt dort, wo man bereit ist, Wege auf sich zu nehmen – auch dann, wenn niemand applaudiert, wenn es keine Kameras gibt und wenn es einfach darum geht, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.
Ein Bundesminister im Gespräch

Dr. Johann Wadephul sprach an diesem Abend vor allem mit Ernsthaftigkeit. Besonders deutlich wurde dies, als er auf die internationale Lage und die Rolle Deutschlands einging.
Er betonte, dass die transatlantische Partnerschaft nach wie vor unverzichtbar sei. Man dürfe sie „nicht über Bord werfen“, gerade in Zeiten wachsender geopolitischer Unsicherheit.
Auch äußerte er sich zur Lage in der Ukraine. Die Unterstützung sei keine Frage der Produktionskapazitäten, denn diese seien vorhanden. Das eigentliche Problem sei das fehlende Geld. Eine Aussage, die die politische Debatte auf ihren Kern zurückführt: Es ginge also nicht um die Fähigkeit, sondern um den Willen, Prioritäten zu setzen.
Ehrenamt zwischen Anspruch und Realität: Warum solche Abende stärken
Ehrenamt klingt oft nach Idealismus, nach freiwilligem Engagement und nach dem guten Gefühl, etwas beizutragen. Doch jeder, der sich wirklich einsetzt, weiß: Ehrenamt bedeutet auch Verzicht. Verzicht auf Freizeit, auf Ruhe, auf Bequemlichkeit. Es bedeutet, Zeit zu investieren, die nicht bezahlt wird, Gespräche zu führen, obwohl man müde ist, und Verantwortung zu tragen, obwohl niemand sie einem offiziell übertragen hat. Genau deshalb haben Abende wie dieser in Berlin eine so besondere Bedeutung.
Gleichzeitig trifft man aber auch Gelichgesinnte und hat die Gelegenheit zum Austausch. So waren auch meine Sektionsleterkollegen aus Intzehoe-Steinburg, und Schwerin angereist. Ein weiter Weg, der zeigt, dass jeder einzelne mehr bereit zu tun ist, als seine oder ihre Rolle offiziell verlangt.

Die Gespräche an diesem Abend haben mir wieder vor Augen geführt, dass Ehrenamt nicht nur eine persönliche Entscheidung ist, sondern ein stilles Versprechen. Ein Versprechen, sich nicht zurückzulehnen, ein Versprechen, Verantwortung mitzutragen und ein Versprechen, präsent zu sein, wenn es darauf ankommt. Denn es gibt auch immer jene, die unverbesserlich an ihre Ideologie leben.
Es sind diese Momente, die einem deutlich machen, warum man all die Stunden investiert, warum man Termine annimmt, die andere vielleicht als Belastung sehen würden, und warum man immer wieder losfährt — selbst dann, wenn niemand es erwarten würde. Engagement lebt davon, dass man es tut, nicht davon, dass man darüber spricht.
Welche Frage bleibt offen?
Wenn man spätabends wieder aufbricht und die Lichter Berlins hinter sich lässt, bleibt oft ein Gefühl zurück, das sich schwer in Worte fassen lässt. Es ist eine Mischung aus Ernsthaftigkeit und einem leisen Bewusstsein dafür, was möglich wird, wenn die richtigen Menschen zusammenkommen und nicht nur reden, sondern entscheiden und umsetzen.
Und auch wenn es sicherlich nicht jedem bewusst ist, aber jeder einzelne Schritt, jede Reise, jedes Gespräch, jeder Abend dieser Art ist ein Baustein für das, was unsere Gesellschaft trägt. Engagement ist kein Titel, kein Amt, keine Auszeichnung. Es ist eine Haltung.
Und so bleibt am Ende dieses Abends eine stille, aber entscheidende Frage zurück:
Sind wir alle bereit, ein Stück Verantwortung tragen – zumindest für unser eigenes Leben?

